Know-How

In 7 Schritten zum erfolgreichen Recruiting in Frankreich

Frankreich ist für viele deutsche Unternehmen nicht nur ein geografisch naheliegender, sondern auch ein wirtschaftlich hochrelevanter Markt. Ob Sie neue Vertriebsmitarbeiter für den französischen Markt suchen, ein lokales Team in Paris aufbauen oder französischsprachige Kundenbetreuung aus dem Elsass steuern wollen – eines steht fest: Die Rekrutierung in Frankreich folgt eigenen Regeln.

Zwischen unterschiedlichen Erwartungshaltungen, arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen und kulturellen Feinheiten wird schnell klar: Was in Deutschland funktioniert, führt in Frankreich nicht automatisch zum Erfolg. Genau hier setzt dieser Leitfaden an.

In diesem Beitrag erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie den Recruiting-Prozess in Frankreich erfolgreich gestalten – von der Stellenausschreibung über den Bewerbungsprozess bis zur rechtssicheren Einstellung und Integration neuer Mitarbeiter.

1. DEFINIEREN SIE IHR ANFORDERUNGSPROFIL PRÄZISE FÜR DEN FRANZÖSISCHEN ARBEITSMARKT

Bevor Sie eine Stellenanzeige veröffentlichen oder Active Sourcing betreiben, muss eines klar sein: Das Anforderungsprofil an Ihre zukünftigen Mitarbeiter muss an den französischen Arbeitsmarkt angepasst sein. Dies betrifft nicht nur die Qualifikationen und Erfahrungen, sondern auch die Benennung der Position, die Erwartungen an die Rolle und das vorgesehene Gehalt.

TITEL UND ROLLENVERSTÄNDNIS KORREKT ABSTIMMEN

Viele deutsche Jobtitel sind in Frankreich unbekannt oder missverständlich. Der „Key Account Manager“ wird in Frankreich meist als „Responsable Grands Comptes“ bezeichnet, der „Sales Consultant“ eher als „Ingénieur Commercial“. Vermeiden Sie deshalb eine 1:1-Übertragung deutscher Begriffe und verwenden Sie stattdessen französische Bezeichnungen, die dem dortigen Rollenverständnis entsprechen.

Tipp: Achten Sie darauf, ob ein Titel in Frankreich cadre oder non-cadre impliziert. Diese Unterscheidung hat juristische und steuerliche Auswirkungen auf den Vertrag und das Gehalt.

GEHALTSSPANNE TRANSPARENT ANGEBEN

In Frankreich ist es üblich und zunehmend gesetzlich gefordert, in Stellenanzeigen eine Gehaltsspanne anzugeben. Während in Deutschland oft noch mit „leistungsgerechter Vergütung“ geworben wird, erwarten französische Bewerbende konkrete Angaben, zum Beispiel:

„Rémunération annuelle : 45-50 k€ brut, incluant une part variable de 10 %.“

Beachten Sie: In Frankreich wird das Gehalt immer in Bruttojahressummen angegeben, inklusive etwaiger Sonderzahlungen.

LOKALE REFERENZEN EINBEZIEHEN

Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Ihre deutschen HR-Erfahrungen. Verwenden Sie französische Marktstudien, Gehaltsvergleiche und Stellenbörsen, um ein realistisches und wettbewerbsfähiges Anforderungsprofil zu entwickeln.

CHECKLISTE: ANFORDERUNGSPROFIL FÜR FRANKREICH

  • Ist der Jobtitel auf Französisch und marktkonform formuliert?
  • Entspricht das Aufgabenprofil den üblichen französischen Rollendefinitionen?
  • Wurde das Gehaltsniveau an französische Standards angepasst?
  • Enthält das Profil Angaben zu Arbeitszeit, Mobilität, Standort?
  • Gibt es Hinweise auf Zusatzleistungen oder Benefits (zum Beispiel Mutuelle, Tickets Restaurant)?

2. WÄHLEN SIE DIE RICHTIGEN RECRUITING-KANÄLE IN FRANKREICH

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Recruiting in Frankreich ist die Auswahl der richtigen Kanäle. Französische Bewerberplattformen, Netzwerke und Bewerbungsmuster unterscheiden sich deutlich vom deutschen Markt. Wenn Sie Ihre Vakanz nur auf deutschen Portalen veröffentlichen, wird Ihre Sichtbarkeit in Frankreich stark eingeschränkt bleiben, ganz gleich, wie gut das Anforderungsprofil formuliert ist.

FRANZÖSISCHE JOBPORTALE RICHTIG EINSETZEN

Setzen Sie auf französische Recruiting-Plattformen mit hoher Reichweite, je nach Zielgruppe:

PLATTFORM ZIELGRUPPE ANMERKUNG
Fradeo Spezialisiertes deutsch-französisches Portal Zweisprachige Bewerber
APEC Akademische Fach- und Führungskräfte Besonders für „cadres“ geeignet
Cadremploi Manager und Führungspersonal Vergleichbar mit StepStone
RegionsJob / HelloWork Fachkräfte, regional orientiert Ideal für Standorte außerhalb von Paris
France Travail (früher Pôle Emploi) Allgemeine Jobbörse, Schnittstelle zum französischen Arbeitsamt Pflicht bei staatlich geförderten Stellen
Welcome to the Jungle Jüngere Zielgruppen & Start-up-orientiert Stark im Employer Branding
Indeed Breites Publikum Hohe Reichweite, einfache Bedienung

Beachten Sie, dass LinkedIn in Frankreich deutlich stärker verbreitet ist als in Deutschland, insbesondere in urbanen Regionen. Nutzen Sie daher auch aktiv französischsprachige LinkedIn-Stellenanzeigen, idealerweise mit lokalem Ansprechpartner.

EMPLOYER BRANDING NICHT VERGESSEN

Französische Bewerbende legen viel Wert auf Unternehmensdarstellung und Arbeitsumfeld. Plattformen wie Welcome to the Jungle ermöglichen es Ihnen, Ihr Unternehmen mit Bildern, Videos und Interviews zu präsentieren. Damit schaffen Sie Vertrauen – ein zentraler Faktor in der französischen Arbeitskultur.

REGIONALE UND SPRACHLICHE ÜBERLEGUNGEN

Fragen Sie sich: Wo befindet sich Ihr Wunschkandidat? In Paris? In Lyon? Im Elsass? Regionale Präferenzen sind in Frankreich stark ausgeprägt. In ländlicheren Regionen finden Sie Talente oft über regionale Plattformen oder persönliche Netzwerke, z. B. über Pôle Emploi oder CFA-Partnerschaften für Azubis.

Außerdem: Wenn Deutschkenntnisse gefordert sind, kann die Suche über deutsch-französische Netzwerke, wie DFJW, Goethe-Institute, Alumni-Verbände, Jobbörsen in Grenzregionen sowie Fradeo, hilfreich sein.

AKTIVES SOURCING AUF FRANZÖSISCH

Sobald die Vakanz online ist, beginnt die aktive Ansprache. Achten Sie darauf, Ihre InMails und Kontaktanfragen auf Französisch zu verfassen. Ein häufiges Missverständnis: Viele Franzosen sprechen zwar Englisch, ziehen es aber im Bewerbungsprozess vor, in ihrer Muttersprache kontaktiert zu werden. Gerade bei jüngeren Talenten ist die direkte, personalisierte Ansprache auf Französisch ein entscheidender Hebel bei der Bewerbung.

3. ACHTEN SIE AUF SPRACHE UND KULTUR IN STELLENANZEIGEN UND ANSPRACHE

Ein häufiger Fehler deutscher Unternehmen bei der Rekrutierung in Frankreich besteht darin, Texte, Kommunikationsstile und Formulierungen eins zu eins aus dem Deutschen zu übernehmen. Doch was in Deutschland als sachlich, effizient und direkt gilt, kann in Frankreich schnell als unhöflich, unklar oder unattraktiv wahrgenommen werden. Sprache ist in Frankreich weit mehr als ein Mittel zur Informationsübermittlung. Sie ist Ausdruck von Höflichkeit, Bildung und Beziehungsgestaltung.

FORM VOR FUNKTION: DIE BEDEUTUNG DER HÖFLICHKEIT

Die französische Geschäftskommunikation zeichnet sich durch einen formellen und respektvollen Ton aus. Eine direkte Ansprache wie „Sie bringen mit…“ oder „Wir erwarten von Ihnen…“ sollte sprachlich weich formuliert werden. Stattdessen werden häufig konjunktivische oder höflichkeitsbetonte Wendungen verwendet:

Schlecht:„Sie sind belastbar und durchsetzungsfähig.“
Besser:„Vous faites preuve d’une grande capacité d’adaptation et de diplomatie.“

Zudem sind Rechtschreibung, Stil und Sprachklarheit im Französischen von hoher Bedeutung. Eine fehlerhafte oder unbeholfene Formulierung kann sofort Ihre Seriosität untergraben, besonders bei qualifizierten Kandidaten im Management- oder Ingenieursbereich.

VERMEIDEN SIE DEUTSCH-ANMUTENDE ÜBERSETZUNGEN

Wörtlich übersetzte Begriffe wie „mit flachen Hierarchien“, „Hands-on-Mentalität“ oder „leistungsorientierte Vergütung“ wirken oft unverständlich oder abschreckend. Nutzen Sie stattdessen französisch etablierte Begriffe, zum Beispiel:

  • „hiérarchie souple“ statt „flache Hierarchie“
  • „autonomie dans les missions“ statt „Eigenverantwortung“
  • „rémunération attractive selon profil“ statt „leistungsgerechte Vergütung“

Diese sprachliche Anpassung ist kein reines Stilmittel, sondern erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Text in der französischen Arbeitswelt ernst genommen wird.

INTERKULTURELLE EMPFINDLICHKEIT ZEIGEN

Zeigen Sie bereits in der Anzeige, dass Sie französische Werte und Normen respektieren. Beispielsweise durch die Nennung von Zusatzleistungen wie:

  • „Tickets Restaurant“
  • „mutuelle santé“ (betriebliche Zusatzversicherung)
  • „prise en charge du transport“

Diese Leistungen sind in Frankreich Standard und werden erwartet, auch wenn sie in Deutschland keine Selbstverständlichkeit sind.

KONSISTENZ IN ALLEN KANÄLEN

Nicht nur die Stellenanzeige selbst, sondern auch Ihr Unternehmensprofil, Ihre Karriereseite, Ihre LinkedIn-Seite und Ihr Bewerberformular sollten auf Französisch verfügbar sein. Eine französischsprachige Zielgruppe erwartet keine halbherzige Lokalisierung. Sie möchte sich willkommen und ernst genommen fühlen.

4. GESTALTEN SIE DEN BEWERBUNGSPROZESS FRANKREICH-KONFORM

Die Candidate Journey in Frankreich unterscheidet sich in Tempo, Struktur und Erwartungshaltung erheblich vom deutschen Standard. Was in Deutschland als effizient und direkt gilt, kann in Frankreich als überhastet oder unhöflich empfunden werden. Ebenso umgekehrt: Ein zu langsamer oder intransparenter Prozess führt schnell zu einem Bewerberabbruch. Deshalb gilt: Passen Sie Ihren Bewerbungsprozess bewusst an französische Gepflogenheiten an.

PLANEN SIE AUSREICHEND ZEIT UND INTERAKTION EIN

In Frankreich sind mehrere Gesprächsrunden üblich, oft auch mit verschiedenen Hierarchiestufen. Ein typischer Bewerbungsprozess kann so aussehen:

  1. Telefonisches Erstgespräch (15-30 Min.)
  2. Fachliches Interview (virtuell oder vor Ort)
  3. Gespräch mit HR oder Geschäftsführung
  4. Gegebenenfalls ein zusätzlicher Termin mit dem zukünftigen Team

Ein rein digitaler, eindimensionaler Bewerbungsprozess wird häufig als unpersönlich wahrgenommen, besonders bei Führungspositionen oder langfristigen Anstellungen (CDI).

NUTZEN SIE DIGITALE TOOLS MIT BEDACHT

Zwar ist Videorecruiting in Frankreich mittlerweile weit verbreitet, doch bestehen klare Präferenzen hinsichtlich Tools und Abläufe:

  • Beliebt: Microsoft Teams, Zoom, Whereby (bei Start-ups)
  • Weniger etabliert: Google Meet, Webex

Achten Sie auf eine professionelle Einladung in französischer Sprache, inklusive Agenda, Ansprechpartner, technischen Hinweisen und Gesprächsdauer.

Tipp: Vermeiden Sie spontane oder informelle Videoeinladungen ohne Vorabinformation, in Frankreich zählt die Vorbereitung als Zeichen von Respekt.

MOTIVATION IST KEIN STANDARD – WIRD ABER ERWARTET

Während in Deutschland die fachliche Eignung im Vordergrund steht, wird in Frankreich verstärkt auch auf Motivation, Persönlichkeit und Ausdrucksfähigkeit geachtet. Ein Anschreiben (lettre de motivation) gehört in vielen Branchen noch zum Standard und sollte im Prozess berücksichtigt werden.

Zudem legen viele französische Bewerbende Wert darauf, ihre Beweggründe im Gespräch ausführlich darzulegen. Geben Sie diesen Raum und planen Sie die Interviews entsprechend.

GEBEN SIE SCHNELLES UND KONSTRUKTIVES FEEDBACK

Ein häufig genannter Frustpunkt französischer Bewerber ist die fehlende Rückmeldung nach dem Gespräch. Machen Sie hier den Unterschied:

  • Senden Sie innerhalb von 3-5 Tagen eine erste Rückmeldung
  • Auch Absagen sollten mit einer kurzen Begründung versehen werden
  • Verwenden Sie französische Standardformulierungen, zum Beispiel:

„Après une analyse approfondie de votre candidature, nous avons décidé de ne pas donner une suite favorable…“

5. PRÜFEN SIE DIE BEWERBUNGSUNTERLAGEN RICHTIG

Auch wenn die Bewerbungsunterlagen auf den ersten Blick vertraut wirken, unterscheiden sich französische Lebensläufe (CV) und Anschreiben in Aufbau, Aussagekraft und Bewertung deutlich von deutschen Standards. Wer diese Unterschiede nicht kennt, läuft Gefahr, Kandidatinnen und Kandidaten falsch einzuschätzen oder potenzielle Talente vorschnell auszuschließen.

DER FRANZÖSISCHE CV: KÜRZE, PRÄGNANZ UND FORMALITÄT

Der französische Lebenslauf ist in der Regel sehr kompakt (1 Seite, maximal 2) und enthält ausschließlich relevante Informationen. Ein Lebenslauf mit übertriebener Selbstvermarktung, grafischen Spielereien oder Ausschweifungen wird meist kritisch betrachtet. Achten Sie auf folgende Elemente:

  • Chronologie: Antichronologisch, d. h. die aktuellste Position steht oben
  • Angaben: Keine Lücken, keine Selbstbewertungen („Teamfähigkeit: 9/10“ wird vermieden)
  • Format: Übersichtlich, klar gegliedert, oft tabellarisch mit fett markierten Positionen

Ein Beispiel für einen typischen Eintrag:

2021–2024 : Chef de produit junior – L’Oréal, Paris
Développement de nouveaux produits capillaires pour le marché européen. Coordination avec les équipes R&D et marketing.

Tipp: Lücken von mehr als drei Monaten sollten in Frankreich erklärt werden, idealerweise direkt im CV oder im Anschreiben.

DAS ANSCHREIBEN – NICHT VERALTET, SONDERN ENTSCHEIDEND

Auch wenn in Deutschland das Anschreiben an Bedeutung verliert, spielt es in Frankreich weiterhin eine wichtige Rolle, insbesondere in konservativeren Branchen wie Industrie, Banken oder öffentlicher Sektor. Gute Anschreiben zeichnen sich aus durch:

  • Einen formellen Stil mit klassischer Gliederung (Einleitung – Motivation – Bezug zur Stelle – Schluss)
  • Referenz auf das Unternehmen und den Mehrwert der Bewerbung
  • Feinsinnige Argumentation, keine reinen Wiederholungen des Lebenslaufs

Tipp: Achten Sie auf den Ton und den Aufbau. Ein strukturiertes, sprachlich gepflegtes Schreiben ist ein Indiz für Ernsthaftigkeit und Bildung.

BEWERTUNGSKRITERIEN RICHTIG EINORDNEN

Beurteilen Sie französische Bewerbungsunterlagen nicht mit deutschen Maßstäben:

DEUTSCHE ERWARTUNG FRANZÖSISCHES PENDANT
Detailtiefe, Projektumfang Konzentration auf Kernerfolge
Selbstvermarktung (Stärken) Zurückhaltung, Fakten statt Adjektive
Design und Layout Funktionalität und Klarheit wichtiger
Einreichen von Zeugnissen In Frankreich unüblich, oft nur auf Anfrage

NICHT ZU UNTERSCHÄTZEN: DIE FOTO-FRAGE

Ein Foto im Lebenslauf ist in Frankreich zulässig, aber kein Muss. Wenn vorhanden, ist es meist professionell und formell. Bewerbungen ohne Foto sind kein negatives Zeichen, vor allem bei internationalen oder jüngeren Bewerbern.

6. VERTRAGS- UND RECHTSFRAGEN SICHER MEISTERN

Die rechtliche Ausgestaltung eines Arbeitsverhältnisses in Frankreich unterscheidet sich in mehreren wesentlichen Punkten vom deutschen Arbeitsrecht. Wer hier unvorbereitet in Vertragsverhandlungen geht oder Standardverträge aus Deutschland überträgt, riskiert juristische Fallstricke, Imageverlust oder sogar Sanktionen. Umso wichtiger ist es, den französischen Rahmen sicher zu beherrschen oder sich spezialisierte Unterstützung zu holen.

CDI, CDD UND CO. – DIE VERTRAGSTYPEN VERSTEHEN

In Frankreich ist der „CDI“ (Contrat à Durée Indéterminée) der gängige Standardvertrag, also ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Dieser genießt arbeitsrechtlich eine besonders starke Stellung und wird von den meisten Bewerbenden bevorzugt.

Daneben gibt es den „CDD“ (Contrat à Durée Déterminée), ein befristeter Vertrag, der strengen Voraussetzungen unterliegt. Er ist nur in bestimmten Fällen zulässig (zum Beispiel Mutterschaftsvertretung, Projektarbeit) und darf nicht beliebig verlängert werden.

Wichtig: Eine unsachgemäße Befristung kann automatisch in einen unbefristeten Vertrag übergehen, mit allen rechtlichen Konsequenzen.

DIE ROLLE DER „CONVENTION COLLECTIVE“

Fast jedes Arbeitsverhältnis in Frankreich unterliegt zusätzlich einer sogenannten „convention collective“, einem branchenspezifischen Tarifvertrag. Dieser legt unter anderem fest:

  • Mindestlöhne pro Qualifikationsstufe
  • Arbeitszeiten
  • Kündigungsfristen
  • Sonderzahlungen (zum Beispiel Weihnachtsgeld, Prämien)
  • Regelungen zu Mutterschutz, Weiterbildung etc.

Sie sind verpflichtet, die zutreffende Convention Collective spätestens im Vertrag zu benennen, z. B.:

„Convention collective applicable : Syntec“

Informieren Sie sich daher vor Vertragsabschluss genau, welche Tarifvereinbarung für Ihre Branche und Region gilt.

PROBEZEITEN UND KÜNDIGUNGEN

Probezeiten (période d’essai) sind klar geregelt:

  • Für Angestellte: in der Regel 2 Monate, verlängerbar auf 4 Monate (bei CDI)
  • Für Führungskräfte: bis zu 4 Monate, verlängerbar auf 8 Monate
  • Die Verlängerung muss vertraglich vereinbart und schriftlich bestätigt werden

Kündigungsfristen sind ebenfalls durch die Convention Collective geregelt und weichen teils deutlich von deutschen Standards ab. Eine einseitige „fristlose Kündigung“ wie im deutschen Arbeitsrecht ist nur unter strengen Bedingungen möglich.

7. INTEGRATION UND ONBOARDING ERNSTNEHMEN

Die besten Recruitingprozesse verlieren an Wirkung, wenn sie nach Vertragsunterzeichnung enden. Gerade im deutsch-französischen Kontext entscheidet das Onboarding über den langfristigen Erfolg Ihrer neuen Mitarbeiter. Denn Integration bedeutet nicht nur Einarbeitung, sondern auch kulturelles Verstehen, Beziehungsgestaltung und gegenseitiges Vertrauen.

INTERKULTURELLE SENSIBILITÄT VON BEGINN AN

Französische Mitarbeitende erwarten einen professionellen, gut vorbereiteten Empfang, mit klaren Ansprechpartnern, strukturiertem Zeitplan und der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ein Onboarding-Plan sollte Folgendes beinhalten:

  • Begrüßung durch Vorgesetzte und Kollegium (idealerweise auf Französisch)
  • Einarbeitung in Prozesse, Tools und Zuständigkeiten
  • Einführung in Werte, Führungsstil und Unternehmenskultur

Vermeiden Sie die Annahme, dass französische Mitarbeitende „sich schon zurechtfinden“ oder automatisch „deutsche Abläufe übernehmen“. Frankreich hat eine eigene Management- und Kommunikationskultur, die sich zum Beispiel durch formellere Sprache, stärkere Hierarchieorientierung und ausgeprägte Feedback-Erwartungen auszeichnet.

SPRACHE ALS SCHLÜSSELFAKTOR

Stellen Sie sicher, dass wichtige Materialien (Intranet, Organigramm, Schulungsunterlagen) auch auf Französisch zur Verfügung stehen, insbesondere in der Startphase. Auch bei bilingualen Mitarbeitenden gilt: Die Muttersprache schafft Sicherheit und Vertrauen.

Bieten Sie perspektivisch auch Deutschkurse oder Tandemlösungen an, aber nicht als Bedingung, sondern als Entwicklungsmöglichkeit.

KONTINUIERLICHE BEGLEITUNG STATT EINMALIGER EINFÜHRUNG

Ein erfolgreicher Onboarding-Prozess ist kein einzelner Termin, sondern ein begleiteter Einstieg über mehrere Wochen. Planen Sie:

  • Regelmäßige Feedbackgespräche in der Probezeit (z. B. nach 2, 4 und 8 Wochen)
  • Einen festen Mentor oder „parrain/marraine“
  • Kulturelle Orientierung (zum Beispiel Unterschiede in Entscheidungsprozessen, Meeting-Kultur)

So stellen Sie sicher, dass sich neue Mitarbeitende nicht nur fachlich, sondern auch sozial und kulturell integriert fühlen.

FAZIT: REKRUTIEREN SIE IN FRANKREICH MIT RESPEKT FÜR DEN MARKT

Die erfolgreiche Rekrutierung in Frankreich erfordert weit mehr als das Übersetzen einer Stellenanzeige. Sie verlangt strukturiertes Vorgehen, kulturelles Feingefühl und rechtliches Verständnis. Wer die spezifischen Erwartungen des französischen Arbeitsmarkts kennt und berücksichtigt, gewinnt nicht nur qualifizierte Mitarbeitende, sondern auch Vertrauen, Motivation und langfristige Loyalität.

Nutzen Sie diesen Leitfaden als systematische Grundlage und stellen Sie sicher, dass Ihr Recruiting in Frankreich nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern strategisch geplant, sprachlich angepasst und kulturell fundiert erfolgt.

FAQ – HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN ZUM RECRUITING IN FRANKREICH

Muss ich für jede Stelle einen französischen Vertrag aufsetzen?
Ja. Selbst bei deutschen Unternehmen mit Sitz in Frankreich gilt französisches Arbeitsrecht, inklusive entsprechender Vertragsarten und Tarifbindung.

Wie lange dauert ein typischer Recruiting-Prozess in Frankreich?
Je nach Branche und Position zwischen 4 und 8 Wochen. Führungskräfteprozesse können länger dauern, besonders mit mehreren Gesprächsrunden.

Ist Deutsch eine zwingende Voraussetzung für Bewerber in Frankreich?
Nein. Viele französische Talente sprechen Englisch, aber Deutsch ist selten selbstverständlich. Erwarten Sie keine vollständige Zweisprachigkeit, bieten Sie stattdessen Entwicklungsmöglichkeiten an.

Können französische Mitarbeiter auch remote in Deutschland arbeiten?
Nur unter bestimmten Voraussetzungen. Steuerrecht, Sozialversicherung und Arbeitsrecht müssen beachtet werden, hier ist Beratung dringend zu empfehlen.

Die Strukturen von vif Solutions begleiten seit über 20 Jahren erfolgreich Unternehmen und öffentliche Institutionen auf dem deutschen und dem französischen Markt.

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Ihre Kontaktperson

RECRUITER | VIF TALENT

Franziska Richter