1. WAS IST DER EU AI ACT UND WARUM BETRIFFT ER RECRUITING?
Der EU AI Act ist das europäische Gesetz zur Regulierung künstlicher Intelligenz. Er soll sicherstellen, dass KI-Systeme in der EU sicher, transparent, nachvollziehbar und grundrechtskonform eingesetzt werden. Wichtig ist: Der EU AI Act verbietet KI nicht grundsätzlich. Er arbeitet mit einem risikobasierten Ansatz. Das bedeutet: Je stärker ein KI-System Menschen bewerten, beeinflussen oder benachteiligen kann, desto strenger sind die Anforderungen.
Für Ihr Unternehmen ist diese Logik entscheidend. Der EU AI Act fragt nicht nur: „Ist das eine KI?“ Er fragt vor allem: Wofür wird diese KI eingesetzt? Ein KI-Tool, das nur Texte zusammenfasst oder Termine koordiniert, ist rechtlich anders zu bewerten als ein System, das Bewerbungen analysiert, Kandidaten rankt oder Empfehlungen für Einladungen und Ablehnungen gibt.
Der EU AI Act unterscheidet im Kern vier Risikostufen:
1. Verbotene KI-Praktiken
Bestimmte KI-Anwendungen sind so kritisch, dass sie nicht eingesetzt werden dürfen. Im Recruiting ist vor allem die Emotionserkennung im Arbeitskontext relevant. Ein Tool, das in Video-Interviews angeblich Stress, Ehrlichkeit, Motivation oder Nervosität erkennt, sollte deshalb ein Stop-Signal sein.
2. Hochrisiko-KI
Diese Systeme sind nicht verboten, aber streng reguliert. Dazu können viele Recruiting-Tools gehören, wenn sie Bewerber analysieren, filtern, bewerten, ranken oder für Stellenanzeigen gezielt ansprechen. Für solche Tools braucht Ihr Unternehmen klare Dokumentation, Anbieterprüfungen, menschliche Aufsicht, Datenschutzprüfung und geschulte HR-Teams.
3. KI mit Transparenzpflichten
Manche Systeme sind weniger kritisch, müssen aber klar als KI erkennbar sein. Ein Bewerber-Chatbot, der Fragen beantwortet oder Termine koordiniert, kann darunterfallen. Kandidaten sollten wissen, dass sie mit einem KI-System interagieren.
4. Geringes Risiko
Viele einfache Assistenzfunktionen bleiben weitgehend unproblematisch, solange sie keine Kandidaten bewerten oder Auswahlentscheidungen beeinflussen.
Für Recruiting-Teams ist deshalb eine Frage zentral: Beeinflusst das KI-Tool, wer im Bewerbungsprozess weiterkommt? Wenn ja, reicht eine einfache Tool-Einführung nicht aus. Ihr Unternehmen muss prüfen, ob das System als Hochrisiko-KI gilt oder sogar verbotene Funktionen enthält.
Der EU AI Act ist außerdem nicht das einzige Regelwerk. Im Recruiting verarbeitet Ihr Unternehmen personenbezogene Daten: Lebensläufe, Kontaktdaten, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse, Interviewantworten oder Testergebnisse. Deshalb gilt parallel weiterhin die DSGVO. Der EU AI Act bewertet das Risiko des KI-Systems. Die DSGVO bewertet, ob und wie Ihr Unternehmen Bewerberdaten verarbeiten darf.